01/06/2026

 

Besucherrekord bei den Internationalen Händel-Festspielen in Göttingen

 Die Festspieloper „Deidamia“ reißt Pfingstsonntag die Gäste von ihren Stühlen.

 

Göttingen) Seit mehr als einem Jahrhundert schon - genauer gesagt seit 1920 - zieht es Händel-Fans alljährlich zu den Festspielen nach Göttingen. In diesem Jahr stand die Veranstaltung vom 14. Mai bis zum 25. Mai unter dem Motto „Verlockung“. Ein kulturelles Großereignis, welches Zuschauerinnen und Zuschauer aus nah und fern in die verschiedenen Spielstätten der Universitätsstadt und darüber hinaus lockte. Bereits vor dem großen Finale zu Pfingsten freuten sich die Organisatoren über die besten Auslastungszahlen der letzten zehn Jahre. Mehr als 16.500 Besucherinnen und Besucher kamen zu den 96 Veranstaltungen im Landkreis. 1.500 mehr als im letzten Jahr. Etwa 550 Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland waren zu erleben.

Einen ganz besonderen Höhepunkt bildete dabei die Festspieloper „Deidamia“, die wir am Pfingstsonntag besuchten. Spoiler gleich vorweg: Wenn auch die vergangenen Aufführungen stets gesanglich und musikalisch auf sehr hohem Niveau rangierten - mit dieser Oper haben die Beteiligten aus unserer Sicht „den Vogel abgeschossen“ und sich dabei selbst übertroffen. Doch dazu später mehr.

Worum geht es in der Oper? Deidamia ist die letzte italienische Oper aus der Feder von Georg Friedrich Händel, uraufgeführt am 10. Januar 1741 in London. Die Erzählung der Handlung führt in die Antike zu Zeiten der Helden Achilles und Odysseus. Sie erzählt die Geschichte von Deidamia, der Tochter des Königs Lykomedes von Skyros, die später ein Kind von Achilles gebärt. Einst weissagt ein Orakel, dass der strahlende Held sterben werde, sollte er sich zu einer Teilnahme am Trojanischen Krieg entschließen. Um dieser Prophezeiung zu entgehen, steckt ihn sein Vater Peleus in Mädchenkleidung und schickt seinen Sohn auf die Insel Skyros. Dort lebt der Jüngling im Palast seines Freundes Lykomedes, wächst zusammen mit dessen Töchtern auf und verliebt sich dabei in die älteste, also Deidamia. Als sich die Griechen zum Feldzug ’gen Troja aufmachen wollen, verkündet Kalchas, der Seher, dass Achilles unbedingt nötig sei, um Troja besiegen zu können. Daher begeben sich Odysseus, Phönix und Nestor nach Skyros, um Achilles zu suchen und ihn zu überreden, am Feldzug teilzunehmen. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Achilles verlässt die sichere Insel, zieht mit in den Krieg um Troja und stirbt. 

Insgesamt gab es fünf Opernaufführungen im Deutschen Theater zu sehen, davon waren drei ausverkauft. Jedes Mal belohnte das Publikum die fantastischen Leistungen aller Beteiligten mit minutenlangen stehenden Ovationen. Zugegeben: Als sich im Stück unter die antiken Helden plötzlich Griechenland-Touristen mischten, fragten wir uns zunächst schon, was das zu bedeuten habe. Die anfängliche kleine „Verwirrung“ wich aber bereits nach kurzer Zeit und entpuppte sich als überaus pfiffige Regie-Idee. Denn somit stellte die Handlung, die ja in der Antike spielte, eine Verbindung zur heutigen Zeit her. Es war schon witzig anzusehen, wie die parallelen Erzählstränge sich gelegentlich berührten. Nämlich zum Beispiel dann, wenn der Schwerthieb eines Helden aus Versehen auf dem Po eines Touristen landete. Oder ein Schuss mit dem Bogen plötzlich Figuren einer Schießbude umstürzen ließ. Genial. Klasse auch die Effekt- und Videoeinspielungen auf einem speziellen durchsichtigen Vorhang. Dieser machte die Stimmungen und verschiedenen Bühnenbilder noch besser sicht- und erlebbar. Bedrückend dabei die Einspielungen moderner Kriegsszenen - es hat sich bis heute am Schrecken nichts geändert. Krieg war, ist und bleibt furchtbar und hat nichts Heroisches an sich. Musikalisch und gesanglich waren die Darbietungen auf höchstem Niveau. Kein Wunder, waren doch internationale Weltklassemusiker, -sängerinnen und sänger auf und vor der Bühne. Die nationale und internationale Presse war zu Recht voller Lob, dem wir uns gerne anschließen.

Auch wenn die Internationalen Händel-Festspiele seit Pfingstmontag bereits zu Ende sind, macht das Gehörte und Gesehene schon jetzt Lust auf das nächste Jahr. Dann finden die Spiele in der Zeit vom 06. Mai bis zum 17. Mai 2027 in Göttingen und ausgewählten weiteren Orten des Landkreises statt. Der Vorverkauf für Gala, Oper und Oratorium beginnt am Freitag, den 27. November, 2026. Für die Mitglieder bereits eine Woche vorher. Weitere Informationen siehe unter www.haendel-festspiele.de. So oder so: Die Messlatte für die Festspieloper 2027 liegt nach diesem großartigen Erfolg sehr hoch.

Bildlegende:

Bild 01: Gruppenbild.

Bild 02: Sophie Junker als Deidamia.

Bild 03: Bruno de Sá als Achilles.

Bild 04: Nicolò Balducci als Odysseus.

Bild 05: Links Sarah Gilford als Nerea, rechts Rory Musgrave als Fenice.

Bild 06: Petros Magoulas als Lykomedes.

Bild 07: Sarah Gilford als Nerea und Rory Musgrave als Fenice.

(Fotos von Alciro Theodoro da Silva).

  Ralf Gießler und Hala Fadel

 

 
 
 
 
 
 
 
 

 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

(Foto: Veranstalter)

 

(Foto: Veranstalter)

 (Foto: Veranstalter)