01/04/2026

 

6.500 Kilometer auf Schusters Rappen für den guten Zweck

Vier Extremsportler laufen vom senegalesischen Kaolack zurück nach Osterode.

  

Kaolack-Osterode) Die Elhadj Diouf Foundation (EDF) ist weit über Osterode am Harz hinaus bekannt. Bildung, Kulturaustausch, Medizin, Sport, Umwelt und Völkerverständigung zwischen Kaolack in Senegal und der Sösestadt sind ihre Hauptanliegen. Doch wie kam es dazu? Oberstudienrat Tobias Rusteberg vom örtlichen Gymnasium suchte vor Jahren französisch sprechende Kontakte für seine Schüler und lernte dabei seinen senegalesischen Kollegen Elhadj Diouf kennen. Bis zu seinem tragischen Unfalltod pflegten die Zwei eine tiefe Freundschaft, aus der letztlich die Stiftung entstand. Was sich einst aus einer Brieffreundschaftssuche entwickelte, ist heute eine tragfähige Brücke zwischen den Ländern. Gegenseitige Besuche sorgen für inspirierenden Austausch besonders unter den Jugendlichen. Stets das EDF-Motto „Wer die Jugend erreicht, erreicht viel“ im Blick. Viele Ideen wurden schon umgesetzt, so zum Beispiel der Bau einer Grundschule in Kaolack.

„Ein ungewöhnlicher, vollkommen verrückter Geistesblitz im positiven Sinne steht jedoch noch kurz bevor und entstand eigentlich ganz banal“, erzählt Rusteberg. „Extremsportler Dominik Singer aus Osterode hatte unsere Gala 2024 sowie das Gründungstreffen unseres Supporter Clubs ein Jahr später besucht. Er sprach mich spontan an und erzählte mir begeistert von seiner Idee, die in ihm reifte. Im Kern ging es um eine 6.500 Kilometer lange Tour von Kaolack zurück nach Osterode, um Spenden für unsere Stiftung und das Kinder- und Jugendhospiz „Sternenlichter“ in Göttingen einzusammeln. Ein Gewaltmarsch, angesetzt auf 65 Tage, für Bildung, den Weltfrieden, Kinder und Gesundheit überall auf der Welt. Jede Initiative startet ja mit einem ersten Schritt. Ich war - und das kommt selten vor - sprachlos und hätte mich bald verschluckt.“

Auch wenn Dominik Singer ein erfahrener Abenteurer ist: Solch ein ambitioniertes Unterfangen macht man nicht allein. Mit Jutta Riediger, Tim Effenberger und Anthony Horyna konnte er drei weitere Gleichgesinnte gewinnen, die wie er über entsprechende Expertisen verfügen. „Es war nicht so einfach, ein geeignetes Team zu finden, wochenlang habe ich telefoniert. Doch manchmal kommt der Zufall zu Hilfe. Jutta war auf der Hanskühnenburg, die ich neben meinem Gartenbauservice betreibe, und schrieb mich an. Und Tim traf ich auf einem Weihnachtsmarkt“, erzählt Dominik schmunzelnd.

 

Eine Vorbereitung ist kaum vorstellbar. Man kann ja diese gewaltige Strecke nicht zur Probe ablaufen. Jutta Riediger, im echten Leben Polizeikommissarin in ihrer Wahlheimat Göttingen, läuft seit etwa 17 Jahren. Damit sind nicht (nur) gemütliche Runden um den heimischen Kiessee gemeint. Der Ultramarathon, also alle Strecken über die 42,195 Kilometer hinaus, ist ihre Passion. Die weiteste Strecke am Stück waren bislang 160 Kilometer von Göttingen hinauf zum Brocken und wieder zurück, die sie gemeinsam mit ihrem Bruder lief. Anthony Horyna, Buchautor, Lauftherapeut, Mental Coach und Heilpraktiker für Psychotherapie, verbindet Bewegung mit mentaler Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung. Bekannt wurde er 2019 mit dem Projekt „19/19 - 45 Marathons an 45 Tagen durch Deutschland“. Der gebürtige Brite mit österreichischem Pass lebt in Wiesbaden. Neben Dominik hat er wohl die meiste Erfahrung.

 

Tim Effenberger ist in Osterode geboren. Er lebt in Zürich und hat 2025 als Erster alle 152 Schweizer Alpen-Clubhütten abgelaufen - hintereinander natürlich. Letzter im Bunde ist Dominik Singer, der schon mehrere Extremtouren absolvierte. So war er im Hochgebirge im Nordosten Pakistans mit Partnern unterwegs, wo sie rund 300 Kilometer zurücklegten. Unvergessen auch dieser Weltrekordversuch: Innerhalb eines Monats legte er mehr als 40. 000 Höhenmeter zurück, indem er immer wieder von Riefensbeek rauf zur Hanskühnenburg rannte. Diese Aktion bescherte dem Hospiz „Sternenlichter“ Spendengelder und ihm einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

„Die klimatischen Bedingungen während der Tour sind sehr herausfordernd“, erklärt Tobias. „Wir laufen gegen den Wind. Der Sand in der Westsahara und eine Temperatur um die 45 Grad nebst -schwankungen werden am schlimmsten sein, denn wir schlafen oft draußen“, ergänzt Dominik. „Jeder von uns bringt eine gute Sport-Basis mit. Wir müssen einen passenden Rhythmus finden, um 100 Kilometer pro Tag zu erreichen. Vor der psychischen Anstrengung habe ich mehr Respekt“, fügt Tim hinzu. Auch Körperpflege und Hygiene seien wichtige Punkte: „Meine Familie hatte schon schlaflose Nächte wegen der Tour. Ich benutze Vaseline, bevor ich die Laufsocken anziehe, creme ich mir damit die Füße großzügig ein. So werden sie trotz vieler Reibung nicht zu trocken und Blasen entstehen erst gar nicht. Falls doch, habe ich ein kleines Erste Hilfe-Set dabei. So lange ungeduscht zu sein, wird für mich herausfordernd. Wenn es die Wasservorräte hergeben, müssen regelmäßige „Katzenwäschen“ ausreichen. Hauptsache, ich kann die Zähne putzen, und das geht zur Not auch mit Spucke“, sagt Jutta. „Ich habe zum Glück eher weniger Blasen-Probleme. Mein „Trick“ ist es, die Füße abends stets zu massieren, um Spannungen aus Wade und Fußsohle rauszubekommen. Duschen wird überbewertet, man kann sehr lange ohne auskommen. Ab und an mal die wichtigsten Stellen säubern, das muss reichen, wir schwitzen eh täglich“, merkt Tim lachend an.

Die Ankunft im Osteroder Kurpark ist für den 05. Juni geplant. Auf www.instagram.com/6500kmfuerdengutenzweck und www.elhadj-diouf-foundation.de sind für Interessierte viele weitere Informationen sowie Spendenmöglichkeiten hinterlegt.

 Ralf Gießler

 

 

Tobias Rusteberg zeigt den Startpunkt in Kaolack an
(Fotograf: Ralf Gießler) 
 
  
Jutta Riediger, Tim Effenberger, Dominik Singer
 mit Tobias Rusteberg (Fotograf: Ralf Gießler) 
 
Im Eifer wurde die Fahne verkehrt herum gehalten
 (Fotograf: Ralf Gießler) 

 

 
 
 
  

 


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  (Foto: Brigitte Maniatis)